„JAHRHUNDERTWENDE“

  Film & Diskussion

»Jahrhundertwende« ist eine filmische Reflexion zum Verhältnis von Aufklärung und Romantik, Spätkapitalismus und (Neo-)Nazismus. In der Konfrontation von Gegenwartsbildern mit historischen Texten des fortschrittsoptimistischen Marxismus des 19. Jahrhunderts und der völkisch-antisemitisch grundierten Fortschrittskritik des frühen 20. Jahrhunderts möchte der Essayfilm noch einmal die Dialektik einer Aufklärung nachvollziehen, die unvollendetes Projekt blieb.

Im Fokus des Films steht insbesondere die regressive Tendenz einer Fortschrittskritik, die nicht zufällig in offenen Antisemitismus mündet und außerdem deutliche Parallelen zu zeitgenössischen Formen populärer Kapitalismus- und Globalisierungskritik aufweist. Die offene Form des Films, der die Erwartung eines »allwissenden Erzählers« als vermittelnder Instanz gezielt unterläuft, erlaubt unterschiedliche Zugänge und fordert ein kritisches Publikum, das bereit ist, »sich seines eigenen Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen«.

Im Anschluss an die Filmvorführung bietet ein offenes Publikumsgespräch die Möglichkeit, die Auseinandersetzung mit den vom Film aufgeworfenen Fragen in der Diskussion mit dem Filmemacher zu vertiefen.