DIE MONDVERSCHWÖRUNG

  Filmvorführung

Je hartnäckiger unser Alltag Antworten auf die Frage nach dem Sinn verweigert, je komplizierter und undurchschaubarer gesellschaftliche Abläufe werden, desto attraktiver erscheinen einfache Lösungen, irrationale Erklärungsmuster, irrationale, aber in sich geschlossene Gedankengebäude. Immer mehr Menschen glauben zu begreifen, was wirklich wesentlich im Leben ist: das Ewige natürlich: die Natur. Die Sterne. Der Mond. Was also ist zu tun? Ganz einfach: Abwarten, Mondphasentee trinken, biodynamisches Gemüse essen, kurz: endlich wieder ganzheitlich leben, und vielleicht schauen, ob wir irgendwo Gleichgesinnte treffen, mit denen wir uns die Wartezeit bis zum Weltuntergang verkürzen können. Magische Praktiken, Esoterik, aber auch Endzeitphantasien und Verschwörungstheorien treiben auf dem Boden des antiaufklärerisch postmodernen Zeitgeists tausendfache Blüten. Und was Menschen so alles glauben, ist schier unglaublich. Harmloses steht da neben Gefährlichem, Altgermanisches neben Okkultem, Spirituelles neben Faschistoidem – und zuweilen vermischt es sich zu einem schwer durchdringbaren Konglomerat weltanschaulicher Desiderate. Es ist die Exkursion in eine nahezu unsichtbare und doch omnipräsente Gegenwelt zur Rationalität unseres Alltags. Bizarr, und dabei seltsam durchdrungen von Modernismen, die das angeblich uralte geheime Wissen der Menschheit in die Erfordernisse unserer Zeit übersetzen.